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Europas Jungwähler sind „wählerisch“

Webkampagne, Werbespot und Schultour der Euro Wahl Gang sollen Erst- und Jungewähler mobilisieren

von Alf-Tobias Zahn (politik.de)

27.04.2009

Engagiert in der Diskussion mit den Jugendlichen: Alexander Graf Lambsdorff, Dagmar Roth-Behrendt, Moderator Hajo Schumacher, Hans-Gert Pöttering, Gabi Zimmer und Rebecca Harms (v.l.n.r.)
Engagiert in der Diskussion mit den Jugendlichen: Alexander Graf Lambsdorff, Dagmar Roth-Behrendt, Moderator Hajo Schumacher, Hans-Gert Pöttering, Gabi Zimmer und Rebecca Harms (v.l.n.r.)
Quelle: Jona Hölderle


80 Städte, 15 Tage, 5 Teams: Die Euro Wahl Gang startete gestern Abend unter dem Motto „Wir sind wählerisch“ ihr Mammut-Programm zur Europawahl mit einer Podiumsdiskussion im Europäischen Haus in Berlin. Während der Auftaktveranstaltung diskutierten 200 europabegeisterte Jugendliche mit EU-Spitzenkandidaten der deutschen Parteien, unter anderem mit Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering (CDU/EVP-ED). Die lebhafte Auseinandersetzung über Themen wie dem möglichen EU-Beitritt der Türkei, den Einfluss des Parlaments auf die deutsche Gesetzgebung und europäische Antworten auf den Klimawandel soll ihre Fortsetzung an insgesamt 80 deutschen Schulen finden.

Während der prominent besetzten Podiumsdiskussion konnte der Ernstfall schon einmal geprobt werden. Moderator Hajo Schumacher führte durch die kurzweilige Veranstaltung, die einen direkten Dialog zwischen Erst- und Jungwählern und Europa-Politikern ermöglichte. Alexander Graf Lambsdorff (FDP/FDE) forderte das Auditorium mit den Worten „Wer nicht wählt, darf auch nicht motzen!“ auf, am 7. Juni wählen zu gehen, um anschließend die Volksvertreter auch kritisieren und kontrollieren zu können. Die Veranstaltung war aber nicht nur ein genereller Aufruf zur Wahl, sondern ermöglichte vor allem eine Debatte über strittige Themen.

Kontrovers wurde über aktuelle Sachverhalte diskutiert, die jungen Menschen beschäftigen: Die Berliner SPD-Kandidatin Dagmar Roth-Behrendt entgegnete dem Vorschlag, die Bürgerinnen und Bürger per Volksentscheid über den Lissabon-Vertrag abstimmen zu lassen, dass gerade für komplizierte Sachverhalte die repräsentative Demokratie die beste Lösung sei. Gabi Zimmer (Die Linke) unterstrich ihre Forderung, dass die EU kein Militärbündnis werden dürfe. Dies ist gleichbedeutend einem „Nein“ zu einer gemeinsamen Europäischen Eingreiftruppe. Lambsdorff entgegnete, dass nationale Armeen in einem vereinten Europa zwangsläufig überflüssig werden.

Besonders großes Interesse zeigten die Schülerinnen und Schüler an der Haltung der EU gegenüber der Türkei. Dem Vorwurf, das Land werde durch das Verhalten Europas in eine Außenseiterrolle gedrängt, widersprach Pöttering vehement. Er lobte die bisherigen Bemühungen der türkischen Regierung, forderte gleichzeitig weitere Reformen und setzt dabei auf „Dialog und Kritik“. Rebecca Harms, stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Europaparlament, lobte in diesem Zusammenhang die türkisch-armenische road map zur Normalisierung der Beziehung zwischen beiden Ländern.

Mit diesen und weiteren Themen sollen in den kommenden zwei Wochen etwa 40.000 Erst- und Jungwähler motiviert werden, am 7. Juni von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen. Dafür organisiert die Politikfabrik, eine studentische Agentur für politische Kommunikation in Berlin, neben dem gestrigen Auftakt weitere 80 lokale Events in ganz Deutschland. Insgesamt fünf Teams mit „Wahl Gangstern“, den Mitgliedern der Euro Wahl Gang, werden die Diskussion an den Schulen leiten und mit den Anwesenden über Europa diskutieren. Darunter sind auch Anna Lisa Pregler (18) und Lars Oehme (18), beide Wahl Gangster. Mit ihrem Einsatz wollen sie eine politische Diskussion unter ihren Mitschülern anregen. „Europa und die EU-Wahl sind im Unterricht zu abstrakt“, stellt Lars fest. Für Anna bedeutet ihre Stimmabgabe am 7. Juni schlicht und einfach, ihren Lebensraum aktiv mitzugestalten. Dieses Verständnis wollen die Wahl Gangster den Erst- und Jungwählern vermitteln.

Flankierend zu der Schultour sollte es neben der Homepage auch einen Kinospot geben. Kreative Ideen wurden gesammelt, das Drehbuch bereits fertig gestellt und alle Vorkehrungen getroffen. Doch in letzter Sekunde sprang ein wichtiger Investor ab. So ist die Politikfabrik noch auf der Suche nach einem Sponsor. Denn auch alle Kinogänger sollen rechtzeitig vor dem 7. Juni an ein Credo der Aktion erinnert werden, welches Thees Uhlmann, Sänger der Hamburger Band Tomte und einer der offiziellen Unterstützer der Kampagne, auf den Punkt brachte: „Die Europawahl ist genauso wichtig wie jede andere Wahl!“

Weitere Informationen Informationen über die Euro Wahl Gang finden Sie hier.


Quelle: Politik.de

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